Karaoke Wettbewerbe (Contest)

Von Zeit zu Zeit veranstalten die einzelnen Kararaokeveranstalter ihre eigenen Wettbewerbe. Für die Teilnehmer ist das Herausforderung und Spaß. Für die Veranstalter Stress pur. 
Nicht nur die Vorbereitungs- und die Durchführungsphase benötigt einiges an Organisationstalent. Auch die anschließenden Diskussionen mit den Teilnehmern und Zuschauern kosten einiges an Nerven.

 

1) Häufige Gründe für eine Wettbewerb 

  • Auf Wunsch der singenden Gäste
  • Als Talentwettbewerb
  • Als eine zusätzliche Veranstaltung, die den Umsatz ankurbeln soll 
  • Als besondere Vision/Mission eines Veranstalters

2) Arten von Wettbewerben

  • Einzelwettbewerb (inkl. Duett)
  • Teamwettbewerb
  • Themen (Motto) Wettbewerb
  • Fun-Wettbewerb

3) Die häufigsten Missverständnisse und Klagen (ohne Kommentar)

  • "Über Geschmack lässt sich nicht streiten"

  • "Die Jury ist unfähig"

  • "Der Veranstalter hat getürkt"

  • "Das Publikum ist doof"

  • "Es kommt nur auf die Stimme an"

  • "Karaoke soll doch Spaß machen, Wettbewerb bedeutet Konkurrenz, Kampf Leistung - das passt  nicht zusammen"

  • Die Veranstaltung fängt rechtzeitig an und wird pünktlich beendet

  • "Die Preise sind Sch..".

4) Organisation: 

a) Ausschreibung

Jeder Wettbewerb muss natürlich erst einmal bekannt gemacht werden. Je nach Motivation des Veranstalters wird die Ausschreibung 

  • Nur innerhalb des Lokals bzw. Homepage
  • In speziellen Internetforen
  • In der Tageszeitung bzw. regionaler Veranstaltungskalender
  • Durch Mundpropaganda
  • Durch gezieltes Anschreiben anderer Veranstalter

 bekannt gemacht. Ein Sänger, der sich jedoch außerhalb der „Szene“ befindet, hat es üblicherweise nicht leicht einen Karaokewettbewerb zu finden, da auch die Karaokeveranstalter untereinander subtil konkurrieren.

 Das heißt, ein Veranstalter, der am gleichen Tag eine Karaoke Veranstaltung durchführt, wird seine Gäste nicht freiwillig zu seinen Konkurrenten schicken, da er sonst Gäste (und folglich wichtige Einnahmen) verliert.
 

b) Rahmenbedingungen

Grundsätzlich werden folgende Punkte mehr oder weniger bewusst festgelegt: 

  • Termine (Anmeldeschluss / Voraussichtlicher Start / Ende)
  • Ablauf der Veranstaltung (Moderator, Reihenfolge, Siegerehrung, Sondereinlage...)
  • Veranstaltungsort / Equipment 
  • Maximale Anzahl der Sänger
  • Spezielle Regeln (wer darf was singen, wann wird disqualifiziert, Ausnahmen...)
  • Anzahl der Kategorien (Rock, Pop,...)
  • Bewertungsverfahren (Punktevergabe, Kriterien,...)
  • Jury (Publikum oder Fachjury...)
  • Preise

 

c) Durchführung

Der Tag der Durchführung ist für die meisten Veranstalter purer Stress. Es gibt viel zu tun und meistens kommt alles anders als man denkt (Sänger kommen zu spät, Zeitplan gefährdet, Jurymitglied verschwunden, Verstärker setzt aus...).

 Als vorteilhaft hat es sich erwiesen, dass man zumindest im Personalbereich (Teilnehmer / Jury) für Ersatzkandidaten gesorgt hat oder im Vorfeld Vorkehrungen für diesen Fall durchdacht hat.

 

5) Mögliche auftretende Probleme...

 a) Anzahl der Bewerber/Sänger:

Bewerber müssen manchmal abgelehnt werden, wegen:

Zeitbegrenzung: pro Stunde können nur 10-15 Songs gespielt werden. Manche Veranstalter drehen die Songs während der Vorausscheidung nach maximal 3 Minuten ab. Im Finale jedoch werden sie voll ausgespielt.

Teilnehmerkriterien: in Lokalen, die den Wettbewerb aus Umsatzgründen durchführen, werden Stammgäste bevorzugt. Dies verhindert das "Wttbewerbshopper", die einmalig das Lokal besuchen, die Stammgäste vergraulen.

 

b) Songauswahl

Songs werden abgelehnt, weil bereits vergeben oder nicht vorhanden.

Beliebte und erfolgreiche Songs werden gerne gewählt für den Wettbewerb . Wenn 2 oder mehrere Teilnehmer sich für einen Song entscheiden, dann erhält den Song meistens derjenige der sich als erstes angemeldet hat (oder der die besseren Beziehung zum Veranstalter hatte). Gute Veranstalter lassen in der Vorrunde den gleichen Song mehrfach zu, verkürzen diesen aber, wenn er länger als e Minuten lang ist.

c) Sängerbewertung:

Die Sänger werden üblicherweise von einer Jury bewertet. Diese setzt sich hauptsächlich zusammen

  • aus einer Fachjury

  • aus dem Publikum (gesamtes Publikum oder Auserwählte)

  • aus einer Jury, die den Applaus des Publikums misst

d) Anzahl der Teilnehmer im Wettbewerb

Je mehr Songs hintereinander gehört werden, desto schwieriger ist ein Vergleich dieser Songs untereinander.

Wenn Sie schon mal in einer Parfümerie mehr als 5 verschiedene Duftwässerchen hintereinander getestet haben, können Sie ungefähr erahnen, wie sich ein Jurymitglied nach 10 Songs fühlen muss. Dies ist nahezu unmöglich sich im nachhinein noch an alle Songs zu erinnern. Oft kann man sichselbst als Zuschauer nur noch an die besten 2 oder 3 Sänger erinnern.

 

c) Auswertung:

  • Stimmzettel / (Telefonanrufe)

  • Auswertungsbogen mittels Kriterien

  • Durch Abstimmung und Diskussion der innerhalb der Fachjury

 

Nachteil von Bewertungsbögen mittels Kriterien:

Hat man einem guten Sänger bereits die maximalen Punkte vergeben, müsste man einem nachfolgenden, doppelt so gutem Sänger auch doppelte Punktzahl geben. Mehr als Maximalpunktzahl kann aber nicht vergeben werden. So kann es leicht passieren, dass die Sänger nicht entsprechend Ihrer wahren Leistung bewertet werden können.

 

 

d) Nachvollziehbarkeit:

 Das Publikum und die Teilnehmer sollten das Gefühl haben, dass am Ende der Beste gewonnen hat.  Hat letztendlich jedoch ein anderer gewonnen, dann sollte dieses leicht erklärbar sein. Ansonsten wird leicht die gesamte Veranstaltung in Frage gestellt.

Nachvollziehbarkeit ist immer dann erreicht, wenn der Sieger aus der Sicht der Jury oder des Publikums am besten bei beiden auch als Sieger feststeht.

Mangelnde Transparenz liegt meistens dann vor, wenn sich der Sieger aus mehr oder weniger undurchsichtigen Bewertungskriterien ergibt und weder Jury noch Publikum halten den Gewinner für den Besten.

 

Lösung...

Leider gibt es keine eindeutige Lösung. Manchmal muss man sogar froh sein, wenn ein Veranstalter überhaupt seinen Gästen zuliebe Wettbewerbe austrägt.
Solange es Wettbewerbe gibt, wird es immer glückliche Gewinner und unglückliche Verlierer geben. Gerade im Karaokebereich werden Entscheidungen durch persönliche Geschmacksrichtungen entscheidend mit beeinflusst. Doch durch zahlreiche Erfahrungen haben sich einige Kriterien ergeben, die sich als vorteilhaft für den Wettbewerb herausstellten:
 

  • Einfache, nachvollziehbare Punktevergabe
  • Möglichst das Publikum miteinbeziehen
  • Maximal 3 – 4 Sänger bewerten pro Jurymitglied (auch wenn 10 Sänger hintereinander gesungen haben, kann man sich meistens eh nur noch den besten, den zweitbesten und einen evtl. besonderen Sänger merken).
  • Sonderpreise (beste Show, bester Newcomer) als Anerkennung für eine außergewöhnliche Leistung in einem bestimmten Bereich.

   

Tipps für Teilnehmer

Sichere Tipps gibt es auch leider hier nicht. Ein herausragender Sänger wird aber selten auf die hinteren Plätze gewählt werden. 
Bei in etwa gleichstarken Sängern kann die richtige Taktik entscheiden sein.

Folgende Punkte habe üblicherweise neben der Gesangsqualität des Sängers den größten Einfluss auf das Endresultat:

  • die Jury

  • evtl. Bewertungskriterien / Gewichtungen 

  • der Song

- Bewertungskriterien:
Hier sollte sich der Sänger im Vorfeld informieren nach welchen Kriterien gewertet wird. 

  • Jury:
    Wenn das Publikum gleichzeitig die Jury ist, lohnt es sich natürlich immer viele Bekannte dabei zu haben und eine publikumswirksame Show in den Auftritt zu integrieren.
    Wenn es sich um eine Fachjury handelt (z.B. Gesangslehrer, Bandmitglied, etc.) liegt meistens die Betonung auf der Stimme und weniger auf der Show. Mit einer guten Ballade kommt man hier schon recht weit.

  • Bei der Songauswahl gilt alte Karaokeregel: der Song sollte zur Person passen (Ausnahmen bestätigen die Regel). 
    Man sollte auch wissen, dass es bestimmte Songs gibt, die öfter in Wettbewerben gewinnen als andere - unabhängig von der Person die es singt. 

  • Andersherum gibt es Songs, die werden vermutlich nie gewinnen, wenn sie nicht superperfekt oder persönlich von Julio Iglesias vorgetragen werden. 

 


Externe Beispiele

Natürlich haben sich schon vorher zahlreiche Veranstalter die Köpfe darüber zerbrochen, wie man einen perfekten Wettbewerb gestalten kann. Hier ein Vorschlag aus der Homepage www.singesong.de, der mit freundlicher Genehmigung des gleichnamigen Karaokelokals Singesong hier veröffentlicht wird.

  

Denkansatz für alle Versionen

 Die Jury sollten sich weitgehendst freimachen von schon gehörten Versionen eines Songs.

  • Sie vergleichen die Songs horizontal, also gegeneinander.

  • Sie vergleichen NICHT vertikal, also ob sie das ein oder andere Lied schon mal besser/schlechter gehört haben.

 Ein Vergleich mit dem ORIGINAL ist jedoch vorteilhaft.

 

  • Ist das ORIGINAL dem Jurymitglied NICHT bekannt, ist es letztlich besser, ausschließlich HORIZONTAL zu vergleichen.
  • Welche Bewertungsregeln auch immer: sie sollten einfach, unbedingt für ALLE transparent und nachvollziehbar sein.
  • Jeder Sänger kann zugelassen werden. Wenn man es mit dem Gewissen und den Stammsängern vereinbaren kann, kann auch "eingekauft" werden.
  • Alle Songs sind zugelassen, ev. zeitbeschränkt, solange sie im Karaoke-Format (Laufschrift, Playback) sind
  • Jedes Team zieht seine Startnummern bei Beginn selbst.
  • Einmal, vorfestgelegt (verschobene Startnummern) für alle Disziplinen.

   

Version 1 

NEAR GRAND PRIX STYLE

  • Voraussetzung:            Nur ein Team pro Lokal  

  • Wann wird bewertet?  Nach jeder Disziplin

  

Wer bewertet?

a)     Ein "Bewerter" (auch Sänger möglich) aus jeder Mannschaft.

b)     Nominiert vor der Disziplin vom Team, wahlweise vom Veranstalter.

c)     Vielleicht sollte sogar der Teamleader anfangen (gutes Beispiel)

   

Wo wird bewertet?

 Auf einem mitabgegebenen Formblatt für Notizen zur Performance.

   

Was wird bewertet?

 Klare Vorgaben (z.B. durch Flyer) worauf zu achten ist. Dieses gilt nur als Begründungshilfe und wird nicht einzeln bewertet.

 

a)     Textsicherheit, Stimme, Songinterpretation

b)     (Schwierigkeitsgrad des Songs), Songauswahl

c)     Bühnenpräsens, Show, passende Kleidung etc

   

Punkteverteilung:

  •  Ber Bewerter vergibt 4, 3, 2 und 1 Punkt für die von ihm ausgewählten Sänger. 

  •  Die Punkte sollten nahe beieinander liegen, damit leicht aufgeholt werden kann.

  •  Der Bewerter bewertet nur vier, NICHT alle, Teams.

   

Bekanntgabe:

  • Als Teil 2 der Veranstaltung eine Zusammenfassung des Veranstalters.
  • In der Reihenfolge der Auftritte.
  • Anzahl 1er, 2er, 3er und 4er Stimmen sowie Total pro Song.
  • Disziplinsieger nach jeder Disziplin.
  • Ergibt ca 30 Sek pro Song. Gesamtdauer ca 30 Min.

 

Nachvollziehbarkeit

 Jeder kann, wenn er will, mitschreiben.

   

Vorteile

 Der Bewerter könnte beim Team sitzen. Er könnte sich sogar mit seinen Nachbarn austauschen. Die Abgabe obliegt ihm.

   

Nachteile

  • Der Bewerter sollte nüchtern sein. (Im Zweifel: Blutprobe...)
  • Die Bewerter müssen diszipliniert mit Ihrer Verantwortung umgehen.

   

Fazit

 "Die Teams allein sind für den Gewinner verantwortlich"

 

  

  

Version 2

 ALLE MACHT DER JURY

   

Voraussetzung 

  • Je kompetenter die Jury, desto größer seine natürliche Akzeptanz
  • Nicht zu viele (8?) Teams

Wann wird bewertet? 

  • Von der Jury NACH jeder Disziplin
  • Oder nach einem "Schnelldurchlauf" nach jeder Disziplin
  • Punkte-Verlesung am Ende der Veranstaltung

   

Wer bewertet?

  • Eine Jury je mehr Pax desto objektiver
  • alt: 12 Geschworene "von der Strasse" holen

   

Wo wird bewertet?

 Öffentlich auf der Bühne mit Verlesung der Punkte vom Veranstalter

 

Was wird bewertet?

  • Gesamteindruck des Vortrags ohne Show, ausschließlich horizontal
  • ev. EIN oder ZWEI Zusatzpunkte für beste Show

   

Punkteverteilung

  • Maximale Punktzahl = Teamanzahl, minimale Punktzahl = 1
  • Eventuell Bewertungsvorgaben-Flyer an Jurymitglieder

 

Bewertungsabgabe:

Nach jeder Disziplin

   

Nachvollziehbarkeit

Ein Buchführer hackt die Punkte zeitgleich in den Computer ein.

   

Sonderpreise:

 Für beste Show des Abends, beste Stimme, beste Kostüme o.ä.

   

Vorteile

  • Zeitverlust lediglich nach letzter Disziplin
  • Jury bewertet den Song großflächig
  • Räumt die Nachteile öffentlicher Bewertung dem Bewerter
  • persönlich bekannter Sänger aus.

  

Nachteile

Der/die Gewinner könnten schon sehr frühzeitig feststehen.

   

Fazit

Kann ich nicht ausformulieren

   

Ansätze zum Weiterdenken: 

  • Die Tauglichkeit dieser System ist für Einzel-Wettbewerbe gesondert zu überprüfen.
  • Objektivitätsnähe ist letztlich vielleicht doch nur durch einem Maximum an "Bewertern" zu erreichen.
  • Die Spannung der Bewertung ist umgekehrt proportional zum +/- Schock derselben.
  • Auf wen verteilt man am Besten die Last der Jury?
  • Öffentliche Bewertung schafft Vertrauen in dieselbe